AStA-Druckerei II. – Zweitdruck
Der Artikel erschien redaktionell bearbeitet am 9.2.2006 in der Tageszeitung Taz Direktlink.
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Ursprungstext mit ungekürzten Zitatangaben:
Druckerei unter Druck
In das Gebäude der FU-AstA-Druckerei soll das „Dahlemer Kinderparadies“ ziehen. Damit droht Berlin seine letzte studentisch betriebene Druckerei zu verlieren.
Die Leitung der Freien Universität plant die Einrichtung einer Tagesstätte für die bezahlte stundenweise Kinderbetreuung – das „Dahlemer Kinderparadies“ – im Gebäude der Druckerei des Allgemeinen Studierendenausschusses der FU unterzubringen. In drei Gesprächen mit dem Kanzler der FU, Peter Lange, sei der AstA seit September mit den Plänen schrittweise vertraut gemacht worden, teilt der Referent für Hochschulpolitik, Sebastian Schneider, mit. Sie sind zu den Gesprächen schriftlich eingeladen worden, allerdings waren auf den Einladung zunächst keine Hinweise auf den Inhalt der Gespräche zu finden, man wolle sich mit ihnen über „familienfreundliches Studieren“ unterhalten, habe die ausweichende Formulierung zunächst gelautet. Das dritte, bislang letzte Gespräch dazu hatte Anfang Januar stattgefunden, bisher sei das Kanzlerbüro jedoch noch nicht mit Alternativvorschlägen an den AstA herangetreten, ergänzt Sebastian Schneider: „es gibt weder eine Äußerung zur Übernahme der Umzugskosten noch überhaupt die Nennung eines möglichen neuen Raums für die Druckerei“.
Nachdem die Druckerei des TU-AstA im Sommer 2007 durch den damaligen RCDS-AstA unter Gottfried Ludewig an den CopyShop-Betreiber ReproBerlin verkauft worden war, ist die Druckerei des FU-AstA die letzte studentisch betriebene Druckerei in Berlin. Studentische Flugblätter, Broschüren, Plakate, Erstsemesterinformationen, der semesterweise erscheinende Studentenkalender sowie das „Out of Dahlem“, Sprachrohr des Studierendenausschusses werden dort gedruckt und Aufträge anderer nichtkommerzieller Studentengruppen bearbeitet.
“Für uns ist das relativ klar, daß es sich hier um eine politische Entscheidung handelt”, sagt die Geschichtsstudentin Katja Müller. “Die Idee einer zweiten KiTa wird hier klar instrumentalisiert, um die unerwünschte Druckerei loszuwerden. Eine KiTa braucht nicht soviel Platz, daß dafür ausgerechnet die – hohe Ansprüche an die Statik des Gebäudes stellende – Druckerei weichen müßte. Außerdem verfügt die Uni über genügend alternative Räumlichkeiten, um eine Kindertagesstätte einzurichten“. Dabei sind die enormen Kosten, die ein Umzug der Druckerei verursachen würde – der Asta schätzt die Gesamtkosten auf 25.000 Euro – noch das kleinere Übel: die Universitätsleitung hat während der Gespräche, die zwischen dem AstA und dem Kanzlerbüro seit September 2008 geführt werden, deutliche Signale gegeben, daß sie Ersatzräume für die Druckerei nicht zu stellen gedenkt.
Peter Lange, seit 2000 Kanzler an der FU – studierter Betriebswirtschaftler und vor seinem Wechsel an die FU für die Projektwerkstatt GmbH tätiger Anhänger “kreativer Ökonomie” – habe dem AstA auf seine Frage, wohin sie nach einem Auszug zugunsten einer Bezahl-Kita mit ihrer Druckerei ziehen sollen ökonomisch-kreativ geantwortet: “ihr könnt doch in Polen drucken, ist eh viel billiger”, teilt Sebastian Schneider mit. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte der AstA ein Baugutachten in Auftrag gegeben, das im Ergebnis die Kosten für eine Totalsanierung des Druckereigebäudes auf 370.000 bis 420.000 Euro beziffert. Eine Totalsanierung wäre nötig, weil in dem Gebäude seit 21 Jahren mit drucktechnischen Chemikalien gearbeitet worden ist. Damit käme die Sanierung teurer als ein Neubau, den das Gutachten auf 330.000 Euro beziffert. „Wir fordern von der Universitätsleitung – falls sie auf ihren Plänen weiter beharrt – die volle Übernahme der Umzugskosten und die Bereitstellung eines geeigneten Alternativraums“, sagt Sebastian Schneider. Forderungen, auf die das Kanzlerbüro bislang mit keiner Silbe eingegangen ist.
Eine Stellungnahme hatte Peter Lange hierzu bislang nicht abgeben wollen. Der Pressereferent des Präsidiums, Goran Krstin, teilte am Montag mit, daß “der Entscheidungsprozess in der Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen ist“, weshalb die Unileitung „derzeit mit Statements dem Ergebnis nicht vorgreifen möchte“.
Um dem Kanzlerbüro die Suche nach einer Lösung des Problems zu erleichtern, hat sich der AstA schließlich selbst auf die Suche nach geeigneteren Räumlichkeiten für das „Dahlemer Kinderparadies“ begeben und schlägt ein Gebäude in der Dahlemer Iltisstraße gegenüber der Druckerei vor, in dem der Career Service und das Projekt „Pro Lehre“ beheimatet sind. „Der Umzug einer dieser Arbeitsstellen wäre mit weit geringerem finanziellen Aufwand verbunden“, sagt Sebastian Schneider.
Der Verlust der infrastrukturell zur Kommunikation studentischer Positionen unverzichtbaren Druckereiwäre in den Augen politisch aktiver Studierender ein zu starker Einschnitt in das studentische Austausch- und Mobilisierungspotenzial, weshalb die Studenten deutlich werden: in der kürzlich erschienenen „Out Of Dahlem“ schließt Katja Müller einen studentischen Bericht mit den Worten: „Sollte es wirklich zu einem Umzug bzw. einer Schließung der Druckerei kommen, sind alle Studierenden gefragt, dieses Stück selbstverwalteter studentischer Infrastruktur zu verteidigen. Bleibt abzuwarten, ob die „exzellente“ FU, die so stolz darauf ist, das „revolutionäre Schmuddelimage“ vergangener Jahre abgelegt zu haben, es darauf ankommen lassen will“.
Anna Panek
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