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Tacheles: Einstürzende Abrisspläne oder abstürzernder Kulturhausklau?

Posted in Feuilleton, Uncategorized, urheberrechtlich geschützt - copyrighted. by textcode on Februar 17, 2009

Ein Schnipsel des folgenden Beitrags erschien nach zweiwöchigem Redaktionstisch-Parkaufenthalt am 19. Geburtstag des Kunsthauses Tacheles in der Tageszeitung junge Welt Direktlink. Das Erstdruckangebot für diesen Text ist trotz gnadenloser Kürzung und erbarmungsloser redaktioneller Bearbeitung in diesem Fall verwirkt, da ein paar autortypische Textformulierungen belassen wurden. Angebot zum Zweitdruck. Preis pro Druckzeile für Druck und Web: 65 Cent. Der Webpreis bezieht sich auf eine Veröffentlichungdauer von zwei Monaten.  Sollten Sie den Beitrag länger oder unbegrenzt nutzen wollen, richtet sich die Vergütung nach dem tariflichen Mindest-Tagessatz  für freie Journalisten und beträgt in der Höhe die Vergütung für einen Arbeitstag (250 EUR). Bei Verhandlungsbereitschaft kontaktieren Sie bitte direkt.


Ursprungstext:

Einstürzende Abrisspläne oder abstürzernder Kulturhausklau?

Das Berliner Kunsthaus Tacheles im neuen Jahr: wie geht´s denn nun weiter?

Eine beinahe schon erschreckende Stille beherrschte die Medien der Stadt am vergangenen fünften Januar. Andererseits – warum denn gleich “erschreckend”. Der fünfte war schließlich kein besonderes Datum, seinen Neujahrskater hatten die meisten schon ausgeschlafen, ein typischer unterkühlter Berliner Montag ohne besondere Vorfälle. Oder etwa doch. Seit Mitte 2008 wußte das Kunsthaus Tacheles, daß es Zeit würde, sich für die Unterzeichnung des auslaufenden 10-Jahres-Folgemietvertrages für das Tacheles-Gebäude gelassen, aber gesammelt vorzubereiten. Gelassen, denn schließlich sah alles nach business as usual für das Tachelesjahr 2009 aus. Der Zwangsverwalter Thorsten Appel hatte ab vergangener Jahresmitte im fortschreitenden Prozeß wiederholt offiziell dem Verein Kunsthaus Tacheles e.V. gegenüber mitgeteilt, daß es keine Einwände gegen die Vertragsverlängerung gibt. Schließlich wird niemand die Bedeutung eines nun mittlerweile in jedem selbst noch so bürgerlichen Touristenheft vertretenen Kulturhauses für Berlin und seine Besucherzahlen zu bestreiten versuchen. Es wurde nach Angaben von Appel bereits an der Formulierung gearbeitet, ein offizieller Termin für die Vertragsunterzeichnung im Dezember war denn auch bald gefunden, wozu also die Aufregung. Bis im Dezember der lapidare Satz in der Oranienburger Straße ankam, man sei nun nicht mehr an der Fortsetzung interessiert. Habt ihr schon gepackt? Und die Schlüssel dann bitte am 5. Januar ordentlich abgeben. Danke, wiedersehn.

Schön, soweit. Am 5. Januar herrschte also gnadenlose Stille in der Medienlandschaft über der Stadt, als würden die Kieze kurz den Atem anhalten mit Blick auf das werte alte Gemäuer, mit der einen drängenden Frage auf den Lippen: “Und nun?”

Und nun erstmal langsam. Noch ist im Haus keine Räumungsklage eingeflogen. Aus dem Schreiben des Zwangsverwalters war zu erlesen, daß eine Klage auf Räumung bislang noch nicht beim Gericht eingereicht worden ist, teilt Linda Cerna, Sprecherin des Vereins Kulturhaus Tacheles mit. Derzeit geht es dem Verein auch eher um den Kauf des Tacheles durch Tacheles, als um das Umzugskistenpacken, wo es nun soweit sei, daß Fundus in seiner finanziellen Angeschlagenheit das Gebäude zwangsversteigern läßt. Bei den Kosten müsse man erst mal sehen. Der Kunstverein Tacheles habe in den letzten Jahren immerhin nicht wenig in den Erhalt des Gebäudes investiert. Über 300.000 Euro habe der Verein in die Sanierung des Gebäudes fließen lassen, neue Fenster, Böden und Türen sind so möglich geworden. Tacheles hat sich bei der Recherche in den letzten Wochen ins Zeug gekniet. Linda Cerna: “wir haben erfahren, daß Fundus und die HSK Nordbank von der Finanzkrise wohl schwerer getroffen sind als zunächst vermutet. Die HSK Nordbank erhält aus dem Rettungspaket 30 Millionen aus Steuergeldern, um aus ihrer ‘Zwangslage’ herauszukommen. Als wir ein wenig tiefer gegraben haben, kamen einige dubiose Sachen zum Vorschein”.

Was nicht wirklich erstaunen kann im Fall des Jagdfelder Familienunternehmens, gegen dessen Chef die Staatsanwaltschaft wegen Betrugs schon 2004 ermittelt hatte und dessen Ruf in Immobilienkreisen nicht ungebrochen ist: 2007 wurde Jagdfeld für seinen Umgang mit Anlegergeldern im Zusammenhang mit Miesen, die Fundus mit dem Heiligendamm-Hotel machte, von der Bankaufsicht bemängelt. Wen wunderts, daß sich wütende Anleger auf Finanz-Webloq-Seiten wie wallstreet-online unzensiert saftig über Jagdfeld äußern. Wie allgemein bekannt ist, hatte ein Tochterunternehmen der Fundus-Gruppe, die Entwicklungs Compagnie Heiligendamm (ECH), ein Jahr vor der G8 fast ganz Heiligendamm für das Schnäppchen von 15 Millionen gekauft. “Von der Treuhand erwarb man 26 Immobilien, darunter zahlreiche Villen am Ostseestrand sowie 520 Hektar Land, einschließlich des Gutes Vorder Bollhagen”, faßt das “Schwarzbuch Fundus” zusammen, das im letztes Jahr neu vom Verein gegründeten Tacheles Verlag frisch erschienen ist und in den kommenden Tagen an Medien verschickt wird, die ihr Interesse bekundet haben.

Das Schwarzbuch stellt eine spannende Auswahl an finanziellen Fiasko-Immobilienprojekten der Fundus-Gruppe zusammen, geht auf Details der personellen guten Riecher und zuverlässigen Kontakte zur Politlandschaft ein und liefert einen kompakten kurzen Pressespiegel mit Medienstimmen zu Fundus aus den letzten Jahren.

Am 13. Februar jedenfalls wird mit der Ausstellungseröffnung der Tacheles-Werkschau null-acht, Tacheles-Künstlerinnen aus 20 Ländern, um 19 Uhr erstmal der 19jährige Geburtstag des Tacheles gefeiert. Man darf sich kurz zurücklehnen und betrachten, was Tacheles im Kultursektor an Ausstellungen in den letzten Jahren gelungen ist. Eine Zahl zur Anzahl der präsentierten international agierenden Künstler oder der Gesamtzahl der Kunstausstellungen müsste sich jedoch jeder interessierte Rechner eigenhändig zusammenaddieren: seit 2002 werden die Ausstellungen im Netz digitalisiert und öffentlich zugängig archiviert, zusammenzählen muß man schon selber. Nur: daß sich aus der Arbeit der letzten 19 Jahre aus dem Kunsthaus Tacheles ein „Kunsthaus Familie Jagdfeld“ machen lassen wird (eine der Mutmaßungen, auf die das Schwarzbuch eingeht), darf wohl getrost bezweifelt werden.

Das Schwarzbuch ist – nach zwei Ausstellungskatalogen, die 2008 erschienen sind, die dritte Veröffentlichung des jungen Verlages. Es wird am 13.2. für 6 Euro zu erstehen sein und enthält auf seiner letzten Seite auch einen offenen Brief des Kulturhaus Tacheles e.V. vom 5.1.09, in dem ein neuer Betrugsvorwurf gegenüber Jagdfeld konkretisiert wird: „Ich äußere den Verdacht eines Betruges, da die Johannishof Projektentwicklung GmbH und Co. Kommanditgesellschaft und die Bredero Deutschland GmbH Herrn Anno August Jagdfeld als Geschäftsführer beschäftigen, Herr Jagdfeld tritt in der Öffentlichkeit auch als Eigentümer dieser Gesellschaften auf. Der Betrugsverdacht richtet sich gegen die HSH Nordbank und Anno August Jagdfeld. Herr Jagdfeld sitzt de facto als sein eigener Gläubiger im Gläubigerkonsortium, könnte somit über das Zwangsversteigerungsverfahren zum einen seine Ansprüche sichern und zum zweiten gleichzeitig seine Außenstände um Millionen reduzieren. Sollte er über „Strohleute oder -firmen“ das Areal oder Teile davon wieder erwerben, wäre der Straftatbestand des Betruges ein zweites Mal gegeben.“

Anna Panek

Stand 31.1.2009

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kleine autorseitige Stichelei, wo schon von Tacheles die Rede ist:

Sie sind Webloqbesitzer, knapp bei Kasse und würden gerne eine kleine teure Werbung von Fundus in ihren Account setzen? Und es fehlt noch der Content, um die Werbung themagerecht drumrumzuplatzieren? Aber Sie sind immer noch so Pleite wie letztes Jahr? Dann schauen Sie doch mal, ob Sie irgendwo noch letzte 65 Cent rumliegen haben – dann geht das ganze an Sie speziell ausnahmsweise als Einzeilentext und das Problem wäre erledigt. (Funzt mit firefox. Wenn Sie nur mit Exporer surfen, ist allerhöchste Zeit für einen neuen Download.) Damit rutscht zwar, wie Sie merken, der Text sehr schnell vom vertikalen zum horiziontalen Gewerbe ab, nicht wahr, scrollLeistenbedingt, aber – wer wird das immer so genau nehmen. Sie müssen dann nur noch auf my-hammer.de jemanden finden, der ihnen für 10 Cent den passenden .txt-ZusatzScript schreibt., weil sonst wird das mit dem verlinkenden zahlkräftigen Werbebildchen schwierig. Aber wie ich Sie kenne, schaffen Sie das schon.

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